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Gespräch
am Mariannenplatz vor der Thomas Kirche über den Maler Manfred Beelke |
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1. Gespräch
mit sich selbst Es ist euch bestimmt schon mal
passiert: Ihr wacht aus einem Traum auf, der so stark eure Seele und
euren Körper beeindruckt hat, daß ihr mittendrin wach werdet, und beim
Wachsein wißt ihr nicht mehr, ob die
erfahrene Realität des Traumes realistischer ist als die reale Realität,
das heißt, ob der Raum, den ihr seht und der euch umgibt, ein
unausbleibliches Aussterben oder eine Wiedergeburt der Bewegung des
Lebens ist. Dabei entsteht ein Gespräch mit euch selbst,
stillschweigend und belebend. Ein Gespräch, zwischen euch selbst und
einen hervorgerufenen "du". Raum und Zeit erleben damit ihre
Großzügigkeit außerhalb der alltäglichen moderigen Grenzen. |
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Zeitungsartikel aus der
Morgenpost, vom 23.9.1990![]() |
Nach sovielen Jahren, in der Trennung
zwischen Gegenwart und Vergangenheit des Lebens, kam ich also wieder zum
Mariannenplatz.Der Maler Manfred Beelke hatte am Anfang des Jahres 1972
zwei Etagen in einem alten Fabrikgebäude gemietet: Im ersten Stock
Arbeitsräume für sich und seine Mitarbeiter;
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| Seit langer Zeit haben viele Denker
dies gesehen, viele Bücher oder nur mahnende Artikel geschrieben (die
Menge ist unzählig). Alles wurde publiziert. Ob dies, im Rennen des Lebens, gelesen wurde, weiß man
nicht. Das Seltsame ist, daß keine Autoren von politisch roten
(kommunistischen) Auffassungen waren, sondern Biologen, Physiker, Schriftsteller, die sich von der
Politik fern hielten. Diese “Täter” waren Gelehrte aus verschiedenen Rahmen einer
anerkannten Wissenschaft eines bestätigten Systems. Manfred Beelke aber hatte sich eine Art des Kampfes ausgesucht, die sein Eigenes war und dazu das Mittel benutzte, das ein "Heiliger Schein der Unberührtheit“ hatte: die Kunst! Mit der Kunst wollte er die Menschen von ihrer öden Einsamkeit, ihren Krankheiten, ihrer Hilflosigkeit, ihren trüben Verwirrungen, usw."befreien”.In seiner Werkstatt waren berufstätige Menschen aus allen Schichten. Sie arbeiteten abends von 19:30 Uhr bis 23:00Uhr in den Räumen der Fabrik; um ihre kreative Kraft auszuüben, um sich selbst und ihre Welt, in der sie lebten, ohne Hemmungen zu erkennen: Malerei, Theater, Musik,Photographie, Keramik usw. Das war Manfred Beelkes Traum einer Werkstatt (WMB). In diesem Sinne leitete er auch eine Malgruppe für die "Straßenkinder“ vom Mariannenplatz und Umgebung, (oft in Zusammenarbeit mit Kinderläden und Schulen). Er ließ sie auf großen Holztafeln mit riesigen Papierbögen mit Pinseln und Farben malen, nachmittags,einmal in der Woche. |
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2. Gespräch
mit dem Ort Mariannenplatz Wir stiegen an der Station des U-Bhf
Kottbusser Tor aus und gingen durch die Skalitzer Straße zu der Einmündung
auf die Sicht des Mariannenplatzes. Ich war da, woher ich gekommen bin. In den Schranken der
irdischen Existenz, Mariannenplatz war und bleibt mein Zuhause.
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![]() Kinder-Malgruppe, 1984 |
![]() Manfred Beelkes Kunsthalle Kreuzberg Laden |
Ich hatte die jungen Menschen gewarnt: Ihr werdet nichts von Manfred Beelke finden.Seine Kraft ist in seinen Bildern und seinen Essays. Manfred Beelke wohnt nicht mehr am Mariannenplatz. Die Zeiten haben sich geändert, und heute will keiner mehr von ihm wissen, und vielleicht sind die Meisten darüber froh. Bilder und Sprache sind Grotten und Gewächse, Wolken und Wogen. Die jungen Menschen wollten trotzdem sich dort hinbewegen. Im Hinterhof von Mariannenplatz 23 waren wir und schauten uns um, wir fanden aber nichts von Manfred Beelke, wie wir ihn kannten. Ich war gleichgültig in meinem Schmerzen. Die Vergangenheit konnte nicht einmal murmeln. Das Äußere machte uns unverwechselbar zurückgezogen zu unserem Eigenen. |
| Die Etagen der revolutionären Tätigkeit
waren glänzende Wände, Fenster und Türen der sauberen
technokratischen und wirtschaftlichen Tüchtigkeit geworden. Alles wurde
schön ausgeputzt. Wir gingen ziemlich verblödet heraus. Auf der irdischen Welt der Menschen gibt es Wurzeln, die unfruchtbar erscheinen, die aber plötzlich wieder wachsen. |
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3. Gespräch
mit der Thomas Kirche Mariannenplatz erschien mir das
grasige grüne Meer, wie damals. Die Natur war schön und anziehend: Die
gleichen Bäume und Hecken, die mit der Luft des Himmels Schatten und
Licht spielten. Es fehlte aber ein Lächeln, nämlich die Menschen; groß
und klein. Wo waren die Menschen? Das Bethanienhaus stand da, wie immer
mit seinen Minaretten, ohne Gebetsstunden. Alle Menschen waren drinnen
eingeschlossen. Das Ende (räumlich gesehen) des Mariannenplatzes ist
immer die St.Thomas Kirche gewesen. Damals war die Kirche immer ständig geschlossen,
ich weiß nicht, ob dies aus Trauer oder Resignation geschah,oder ob aus technischen Gründen.
In den Riten der Religion bin ich nicht sehr gewandt. Auf jeden Fall
spielten die Kinder damals sehr oft Blinde Kuh um das rote Gebäude.
Dieses Mal aber war das Tor aufgerissen, auf einer Stufe saß ein
Mensch, und aus dem schattigen Innenraum kamen fröhliche
Stimmen heraus, sogar Musik und Gesang. Ich bin als Kind katholisch
erzogen worden, in Italien, und mit siebzehn Jahren erzog ich mich selbst (mehr oder
weniger schlecht) als "freier Denker". Seit dem habe ich immer vermieden in den Innenräumen
einer Kirche (katholisch, natürlich) einzutreten. Kontakte mit der
protestantischen Religion habe ich nie gehabt, da ich auch kein Bedürfnis
spürte. Januar 2010 Marina Beelke |
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