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„Die Wittenbergisch Nachtigall“ Auch wenn die Reformation ihre Vorläufer hatte, ist die reformatorische Bewegung dennoch mit dem Namen Martin Luthers auf das engste verbunden. Sein Thesenanschlag am 31. Oktober 1517 gilt als der eigentliche Anstoß zu den epochalen Veränderungen. Sie erregten allergrößtes Aufsehen, wenn es in der 1. These heißt: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus sagt: ´ Tut Buße ´ (Mt.4,17), wollte er, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein sollte. Bereits sein Eintritt in das Augustinerkloster (1505) löste unter seinen Freunden eine große Verwunderung aus. Der Ernst, mit dem er die Frage nach Gott außerhalb der kirchlichen Tradition stellte, fand ein starkes Echo. Seine Lehrtätigkeit in Wittenberg, seine vielen Auslegungen der biblischen Schriften ließen ahnen, dass sich etwas Neues anbahnen würde. Das Datum seiner „reformatorischen Wende“ (das Turmerlebnis) bleibt bis heute umstritten. Der legendäre Tintenfleck an der Wand seines Arbeitszimmers, den er in der Leidenschaft seines Ringens um die Wahrheit dahin geschleudert haben soll, macht dennoch seine Liebe zur Heiligen Schrift zeichenhaft deutlich. Der neue Glaube breitete sich in Windeseile aus und ergriff die Herzen der Menschen. Er war auch mit einem Hinweis auf bloßen Mönchsungehorsam nicht mehr abzutun. Auf dem General Kapitel seines Ordens in Heidelberg (1518) gewann Luther Martin Bucer für sich. Auf der Leipziger Disputation mit Johannes Eck (1519) sprach er anerkennend über Johannes Hus und bestritt, dass Papst und Konzilien über der heiligen Schrift stehen würden. Das Jahr 1520 ist das Entstehungsjahr seiner drei großen reformatorischen Streitschriften: Die erste richtete sich: „An den christlichen Adel deutscher Nation“ . In dieser greift er die „drei Mauern der Romanisten“ auf das heftigste an; dazu gehört u.a. die Lehre von der Unfehlbarkeit des Papstes. Auf der Grundlage des Priestertums aller Gläubigen ruft er den Adel zur Reform der Kirche auf. In der zweiten Schrift: „Von der babylonische Gefangenschaft der Kirche“ reinigt er die Sakramentenlehre und führt sie auf ihren biblischen Ursprung zurück, das ist die Taufe und das Abendmahl. Die dritte Schrift: „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ legt den Vorrang des Glaubens vor den „guten Werken“ dar. Am 15. Juni 1520 verdammte die Bannandrohungsbulle seine Lehren; am 3. Januar des folgen- den Jahres wurde Luther exkommuniziert. Der Reichstag zu Worms 1521 sollte Luther noch einmal die Gelegenheit geben, durch Widerruf seiner Thesen in den „Schoß der Kirche“ zurück zu kehren, doch er blieb unerschütterlich und widerrief nicht. Auf der Rückreise nach Wittenberg ließ ihn sein Landesherr, Friedrich der Weise, auf die Wartburg bringen, wo er als Junker Jörg Zuflucht fand. Hier - in der Stille- entstand die Übersetzung des Neuen Testaments ( Septemberbibel 1522 ) in kürzester Zeit. Noch im Jahre 1521 kam die Auslegung des Lobgesangs der Maria, das „Magnificat“ heraus. Von den Unruhen in Wittenberg jedoch erschreckt, kehrte er 1522 an seinen eigentlichen Wirkungsort zurück. Die Auseinandersetzung mit Karlstadt und den Zwickauer Propheten bestimmte seinen Stil auch im Bauernkrieg (1525). Zuvor hatte er in der Schrift „Von weltlicher Obrigkeit. Wieweit man ihr Gehorsam schuldig sei“ (1523) sein Verständnis von der „Zwei-Reiche-Lehre“ deutlich gemacht. Das Zerwürfnis mit Ulrich Zwingli (1484 – 1531) in der Abendmahlsfrage führte schließlich zum Marburger Religionsgespräch (1529). Mit der Schrift „Vom unfreien Willen“ wandte er sich gegen die Thesen der Humanisten, namentlich Erasmus von Rotterdam. Und 1526 gab Luther der neuen evangelische Gottesdienstordnung eine über lange Zeit gültige Gestalt . Der großen Unkenntnis abzuhelfen, schrieb Luther 1529 den Großen und den Kleinen Katechismus. Bereits 1525 hatte er mit seinem Mönchsgelübde gebrochen und war die Ehe mit Katharina von Bora eingegangen. Den Reichstag zu Augsburg 1530 konnte Luther nur von der Veste Coburg aus verfolgen, von wo aus er Philipp Melanchthon (1497- 1560) bei der Abfassung der Confessio Augustana (CA) beriet. 1536 kam in der Wittenberger Konkordie eine Einigung mit den Süddeutschen zustande. 1537/38 folgten Disputationen zur Rechtfertigungslehre auf dem Hintergrund vieler Missdeutungen seiner Lehre und die Schrift „Von den Konzilien und Kirchen“. Von der anfänglichen Sympathie dem Judentum gegenüber: „Dass Jesus ein geborener Jude sei“ unterscheidet sich die Spätschrift durch eine besondere Maßlosigkeit: „Wider die Juden und ihre Lügen“ (1543). In den letzten Jahren regten sich bei Luther viele Zweifel und große Sorgen, sodass er im Bewusstsein der Nähe des kommenden Jüngsten Tages lebte. Er starb 1546 und sein Grab ist in der Schlosskirche zu Wittenberg, seiner einstigen Predigtkirche, zu finden. Die Humanisten hatten Luther zuerst freudig als Verfechter der Gelehrsamkeit gegen Dummheit und Aberglauben begrüßt, aber die meisten schreckten vor seinem leidenschaftlichen Eifer für die Wahrheit zurück. Die Bauern wurden von Luthers Vision eines Reiches in Frieden und Gerechtigkeit inspiriert. Aber Luther ergriff die Partei der Fürsten, als sich das arme Volk unter der Führung Thomas Müntzers erhob. Die Radikalen unter den Reformatoren, die die Wiederaufrichtung der Urkirche anstrebten, waren enttäuscht als sich Luther lediglich mit einer Erneuerung des Bekenntnisses und des Gottesdienstes zufrieden gab. Jedoch - durch sein einzigartiges Wirken wurde die Bibel zum Prüfstein, an dem sich die christliche Lehre vor Gott beweisen musste. „Die Wittenbergisch Nachtigall“ nannte ihn der Dichter und Sänger Hans Sachs, die durch ihren Gesang das Licht des anbrechenden Tages angekündigt hatte. „Wacht auf, wacht auf, es taget! Ein Nachtigall, die waget ihr Stimm mit süßem Hall,“ heißt es in den ersten Zeilen des bekannten Gedichtes. Eine schöne Allegorie, die einprägsam ist und einen tiefen Eindruck hinterlässt, wenn es um den Anfang geht. Beate Barwich |
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