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Ausstellung zum 100. Geburtstag von Bischof Albrecht Schönherr (1911-2009) in der St.Thomas-Kirche Das Berliner Institut für vergleichende Staat-Kirche-Forschung hat in Kooperation mit dem Evangelischen Zentralarchiv in Berlin und mit Unterstützung der Familie Schönherr eine repräsentative Ausstellung zum 100. Geburtstag von Albrecht Schönherr gestaltet, die vom 13. November bis 15. Dezember 2011 in der St. Thomas-Kirche zu sehen sein wird. In Albrecht Schönherrs Leben spiegelt sich ein Jahrhundert deutscher Geschichte mit zwei Weltkriegen und vier politischen Umbrüchen. Geboren 1911 in einer bildungsbürgerlichen, kaisertreuen preußischen Beamtenfamilie erlebt er als Gymnasiast die unruhigen Jahre der Weimarer Republik und beginnt 1929 sein Theologiestudium in Tübingen. 1931 setzt er sein Studium in Berlin fort und lernt den jungen Berliner Theologen Dietrich Bonhoeffer kennen – eine Begegnung, die prägend für das Leben und das Wirken Albrechts Schönherrs im Dienst der Kirche werden sollte. Durch Bonhoeffer findet er den Weg zur Bekennenden Kirche. 1936 wird er von Otto Dibelius ordiniert und übernimmt seine erste Pfarrstelle im uckermärkischen Brüssow. Im Zweiten Weltkrieg wird sein Christ-Sein auf eine harte Probe gestellt. Er gerät in Kriegsgefangenschaft und bemüht sich als Gefangenenseelsorger, den Offizieren und Soldaten der geschlagenen deutschen Wehrmacht beizustehen. Kurz nach der Rückkehr in seine Gemeinde und zu seiner Familie folgt er dem Ruf an den Dom der Havelstadt Brandenburg. In seinen Brandenburger Jahren (1947 bis 1962) wird er Zeuge der kirchenfeindlichen Attacken der SED und der FDJ. Die brutale Niederschlagung der Aufstände in der DDR 1953, in Polen und Ungarn 1956 sowie 1968 in der ČSSR werden prägend für sein politisches Denken und Handeln. Trotz dieser belastenden Erfahrungen tritt er offen dafür ein, die DDR nicht länger als „weißen Fleck auf der Landkarte Gottes“ zu betrachten. Vielmehr ermutigt er dazu, sich den neuen Herausforderungen zu stellen und das Wort Gottes auch und gerade in einer atheistisch geprägten Umwelt unverzagt und fröhlich zu verkünden. 1963 wird Albrecht Schönherr Generalsuperintendent in Eberswalde und 1967 Verwalter des Bischofsamtes der Ostregion der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg. Ende der 1960er Jahre steht er an der Spitze jener, die sich trotz eigener Bedenken und kritischer Stimmen aus den eigenen Reihen für eine organisatorisch-rechtliche Trennung der evangelischen Kirchen in der DDR von der EKD einsetzen. Er ist davon überzeugt, dass die Kirche ihrem Auftrag besser gerecht werden und für die Christen in der DDR mehr tun kann, wenn sie die politische Realität der Existenz von zwei deutschen Staaten anerkennt und daraus Schlussfolgerungen für ihr Wirken in einem atheistischen Weltanschauungsstaat wie der DDR zieht. Schönherrs Kurs stößt bei jenen, die an der organisatorisch-rechtlichen Einheit im Rahmen der EKD festhalten wollen auf heftige Kritik und Ablehnung. Diese Kritik erhält neue Nahrung, als der unter maßgeblichem Einfluss von Albrecht Schönherr 1969 gegründete Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR beginnt, seinen politischen Standort und sein theologisches Profil genauer zu bestimmen und die Kurzformel von der „Kirche im Sozialismus“ in Umlauf kommt. Auch die Schönherrsche Verhandlungsstrategie mit den DDR-Behörden stößt auf Widerspruch und wird als „Geheimdiplomatie“ kritisiert. Diese Kritik wächst insbesondere nach der Selbstverbrennung von Pfarrer Oskar Brüsewitz im August 1976 in Zeitz und nach dem Spitzengespräch am 6. März 1978 mit dem Staatsratsvorsitzenden der DDR Erich Honecker. Am Ende seiner Amtszeit als Bischof und Vorsitzender der Konferenz der Kirchenleitungen beginnen sich unter dem Dach der Kirche Umwelt-, Friedens- und Bürgerrechtsgruppen zu formieren und öffentlich längst fällige Reformen einzufordern. Albrecht Schönherr und mit ihm viele kirchliche Amtsträger seiner Generation halten die von den überwiegend jungen Leuten vorgebrachte Kritik an den Verhältnissen in der DDR zumeist für berechtigt, fürchten aber, durch die Art und Weise, wie diese Kritik in die Öffentlichkeit getragen wird, könne der kalkulierte Interessenausgleich mit dem Staat zum Schaden der Kirche und der Christen in der DDR in Gefahr geraten. Nach dem Ende der DDR wird Schönherr und anderen Verantwortlichen in den Kirchen „Kumpanei“ mit dem SED-Regime und Verrat an der Sache des Evangeliums vorgeworfen. Geduldig versucht Albrecht Schönherr im hohen Alter Verständnis für den von ihm verfolgten kirchenpolitischen Kurs zu wecken und sich kritisch mit eigenen Fehlern und Schwächen auseinanderzusetzen. Wir
laden Sie herzlich ein, sich selbst ein Bild von dieser herausragend Dr. Joachim Heise
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