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150 Jahre St. Thomas Gemeinde

(01. April 2014)

 

 

Die Gründung der Gemeinde zu feiern, soll nicht vergessen werden! Wir erinnern uns gerne an die Kirchweihe, die am 21.12.1869 begangen wurde. Dabei musste die Gemeinde zuerst gegründet werden, um dann die Kirche erbauen zu können. Doch an den 1. April 1864, als unsere Gemeinde als dritte Gemeinde in der Luisenstadt entstand, denken wir nicht so schnell. Ganz anders war das 1889. Damals wurde der "Kirchliche Bericht zur Jubiläumsfeier des 25jähr. Bestehens der St. Thomas-Gemeinde" verfasst. Daraus können wir viele Informationen ziehen.

So wird uns mitgeteilt, dass 1845 die St. Jacobi-Gemeinde von der Luisenstadt-Gemeinde abgetrennt wurde. Der Grund für diese Gemeindeteilung lag in der Industrialisierung, die dazu führte, dass auch im Berliner Südosten die Bevölkerungszahlen durch massenhaften Zuzug vom Land riesenhaft anwuchsen. Die Zahl der Gemeindeglieder stieg auch in den folgenden Jahren in großem Umfang. Daher gab es in den 1850er Jahren schon die ersten Überlegungen für die Bildung einer weiteren Kirchengemeinde. Zu den Verhandlungspartnern zählte der preußische König Friedrich Wilhelm IV, der höchste Bischof der damaligen Evangelischen Kirche, die Kirchenbehörden, das Ministerium für Geistliche- und Medicinalangelegenheiten, der Magistrat von Berlin und der Polizeipräsident von Berlin, da es sich um eine Baumaßnahme handelte.

 

Zur Gründung einer neuen Gemeinde musste zuerst das Gemeindegebiet festgelegt werden, danach der Bauplatz. Der König hatte am 9. Juli 1860 dem Magistrat zum Bau der neuen Kirche einen Teil des Mariannenplatzes, an dem sich schon das Diakonissenmutterhaus Bethanien befand, überlassen. Mit dieser allerhöchsten Ordre hatte der Magistrat auch das Patronat über die neue Gemeinde verliehen bekommen. Zu den Pflichten eines Patronatsherren gehört die Zuständigkeit für die Übernahme von Bau- und Reparaturkosten, eine königlich Entscheidung, die auch bei der letzten Rekonstruktion der Kirche Ende des 20. Jahrhunderts noch eine Rolle spielte.

Um die Bildung der neuen Gemeinde stetig voranzutreiben, berief man Prediger Theodor Hübner am 11. Januar 1861 an die Luisenstadt-Gemeinde mit der Maßgabe, dass er der erste Prediger der neuen Gemeinde werde. Ein Jahr später, am 18. Januar 1862, hatten die städtischen Behörden einen anonymen Architekturwettbewerb ausgeschrieben, den der Baumeister Friedrich Adler gewann. Um alle Punkte, die zur Gründung einer neuen Gemeinde erfüllt werden sollten, abzuarbeiten, musste noch das Grundstück für einen Friedhof erworben werden. Bereits 1863 hatte sich ein Komitee der Luisenstadt-Gemeinde mit dieser Frage beschäftigt und für 20.000 Taler Land in Rixdorf (heute Neukölln) gekauft. Im Sommer 1865 wurden davon 12 Morgen als Friedhof angelegt und am 6. Oktober d. J. fand die erste Beisetzung statt.

Alle Vorrausetzungen für die Neubildung einer Gemeinde waren geschaffen. Auf den

19. März 1864 mit Wirkung vom 1. April d. J. wird das Umpfarrungsdekret des neuen Kirchen- und Pfarrsystems datiert. Noch trug es den Namen "Neue Luisenstadt-Gemeinde". Doch dieser Name führte zu Missverständnissen. Die Gemeinde wünschte daher zur Ausbildung ihrer Identität und um ihre Selbständigkeit allseits erkennbar zu machen, ihren Namen nach dem Apostel St. Thomas zu erhalten. Dies geschah mit der königlichen Kabinettsordre vom 6. Mai 1865.

 

Schon früh hatte der Magistrat nahe der Kirche ein Grundstück für den Bau eines
Predigerhauses erworben. 1862 begann der Bau und im Herbst 1864 war das Haus bezugsfertig. Es handelte sich um ein zweistöckiges Vorderhaus mit linkem Seitenflügel und einem Abtritt im Hof. Prediger Hübner, der die Geschicke der Gemeinde leitete, blieb ihr 33 Jahre bis zu seinem Tode am 24. Juli 1897 treu. Von Anfang an waren für die Gemeinde zwei Predigerstellen geplant; so wohnte im 1. bzw. 2. Stock je eine Predigerfamilie. Im Erdgeschoss waren die Küsterei und die Wohnung des Küsters untergebracht. Mit Zugang von den Wohnungen der Prediger gab es im linken Seitenflügel je einen Konfirmandensaal und im Parterre wohnte der Kirchendiener.

Zunächst wurden die Geschäfte der neuen Gemeinde von einem Kirchenvorstand, dem drei Vorstandsmitglieder der Luisenstadt-Gemeinde und drei vom Magistrat ernannte Honoratioren aus dem neuen Gemeindegebiet angehörten, geleitet. Um die volle Funktionsfähigkeit als Gemeinde zu erlangen, musste noch der Gemeindekirchenrat (GKR) gewählt werden. Dies geschah am 21. Februar 1865, und die Gewählten traten zur ersten GKR-Sitzung am 1. März d. J. zusammen.

 

Das Gemeindeleben, das sich heute in Gruppen und Kreisen zeigt, fand damals in Vereinen wie dem Verein für Kirchengesang, dem Sparverein, dem Armen- und Krankenpflegeverein und dem Frauenverein statt.

 

Zum Besuch des Gottesdienstes gingen die Gemeindeglieder zunächst zur St. Andreas-Kirche auf der anderen Seite der Spree. Doch schon im Februar 1864 war mit dem Bau einer Interimskirche begonnen worden, die am 18. Dezember d. J. geweiht wurde. Sie stand auf dem heutigen Schulgrundstück Wrangel- Ecke Mariannestraße. Sie bot 700 Menschen Platz. Angesichts der Größe der Gemeinde, bei ihrer Gründung hatte sie 40.000 Gemeindeglieder, war dieser Fachwerkbau mit Glockenaufsatz zu klein und die Fertigstellung der großen Kirche wurde dringend erwartet. Die Gemeinde wuchs weiterhin rasant und Prediger Hübner sprach von einer "Monstergemeinde". 1866 begannen daher die ersten Gespräche über eine Teilung der St. Thomas-Gemeinde.

 

Petra Heidebrecht

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