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Gedanken zum Monatsspruch Juli

 

„Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen“

(Mt 5,37 [E])

 

Na, das ist doch mal eine klare Ansage, die Jesus hier macht! Ein Ja ist ein Ja. Basta. Und nicht ein „Ja, aber“ oder ein „Ja vielleicht“ oder gar ein „Jein“. Wir legen uns nicht gerne so fest. Und wir haben ja auch gute Gründe dafür. Und wirklich klar und eindeutig „Nein“ zu sagen, wie von Jesus gefordert, fällt uns noch schwerer und müssen wir oft erst mühsam lernen. Vor allem bei Kirchens. Mir erzählte mal ein kirchlicher Mitarbeiter, er habe ein Personalgespräch bei seinem Vorgesetzten durchlebt und wusste hinterher nicht, ob er nun entlassen worden ist oder nicht. Es gibt Situationen, da ertragen wir das Rumgeeiere nicht, das ewige Schleimfäden ziehen. Und in der Regel gilt: Je mehr Worte gemacht werden, umso vernebelter wird die Sache. Wir haben ein feines Gespür dafür, wenn um den heißen Brei geredet wird, wenn man ausweicht und ein irgendwie opportunistisches Verhältnis zur Wahrheit sucht. Da sagt Jesus klar und eindeutig: Stopp! Ich fordere von Euch uneingeschränkte Wahrhaftigkeit in euren Worten. Gelingendes menschliches Miteinander hängt daran, dass ihr in eurem Reden verlässlich und wahrhaftig seid. Lüge macht alles kaputt. Wenn das Ja kein eindeutiges Ja mehr ist oder das Nein kein klares Nein, dann wird Gemeinschaft zerstört.

Ist das wirklich so? Kann nicht auch die Wahrheit brutal und zerstörerisch sein? Ist Diplomatie nicht zwingend nötig? Sind wir nicht auch dafür verantwortlich, dass der andere sein Gesicht wahren kann? Und was wäre unser Zusammenleben ohne Kompromisse? Es gibt doch auch das wahre Leben im falschen, oder?

Natürlich kann man jemanden die Wahrheit um die Ohren schlagen wie einen nassen Lappen. Oder: Man kann sie ihm hinhalten wie einen wärmenden Mantel. D. Bonhoeffer hat in seinem Aufsatz „Was heißt es, die Wahrheit zu sagen?“ für mich sehr überzeugend dargelegt, dass die Wahrheit kein absoluter Wert ist. Denken Sie an Jakob, den Lügner. Oder an die israelitischen Hebammen in Ägypten, die für ihre Lügen gelobt werden. Keines der 10 Gebote heißt: Du sollst nicht lügen! Nein. Du sollst nicht falsches Zeugnis gegen Deinen Nächsten vor Gericht ablegen. Das ist klar.

Aber worum es eigentlich geht, hat Luther unübertroffen in der Erklärung zum 8. Gebot geschrieben: „Alles (!) zum Besten kehren!“

Mit meinen Jugendgruppen in der Jungen Gemeinde habe ich gern ein Lied gesungen, das den Zusammenhang von Wahrheit und Liebe aufzeigt und in dem es heißt:

 

Wahrheit, die nur weh tut, ist nicht wahr genug.

Wahrheit ohne Liebe übt Betrug.

Wahrheit, die nur aufdeckt, kommt aus hartem Herz.

Nur um Recht zu haben, fügt sie Schmerz.

Helfen kann uns allen Wahrheit, die auch liebt,

die in harte Herzen Milde gibt.

 

Liebe, die nicht wahr ist, reicht nicht tief genug.

Liebe ohne Wahrheit übt Betrug.

Liebe, die nur zudeckt, kommt aus halben Herz.

Um sich selbst zu schonen, scheut sie Schmerz.

Helfen kann uns allen Liebe, die nicht schont,

wenn in halben Herzen Lüge wohnt.

 

Helfen kann der Eine, der uns nie betrügt,

der in harte Wahrheit Liebe fügt.

 

 

Das von uns geforderte klare Ja und das klare Nein steht unter dem Kriterium der Liebe. Sie befreit uns vom Blick auf uns selbst und legt frei, worum es Jesus geht: Um eine gelingende Gemeinschaft unter uns Menschen. Dazu helfen klare Ansagen, faire Kompromisse, Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit unserer Rede, bei Kirchens und im Alltag.

 

Pfarrer i.R. Johannes Kwaschik