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Gedanken zum  Monatsspruch Juli 2016


Der Herr gab zur Antwort: Ich will meine ganze Schönheit vor dir vorüber ziehen lassen und den Namen des Herren vor dir ausrufen. Ich gewähre Gnade, wem ich will, und ich schenke Erbarmen,wem ich will. 2 Mose 33,19


Ich gewähre Gnade, wem ich will - eine der zentralen Aussagen des Monatsspruches. Die Gnade ist wesentlich etwas Geschenktes, etwas Unentgeltliches charis im  Griechischen oder chinnam im Hebräischen -  auch schon im Alten Testament ist Gnade etwas Unentgeltliches. Gott gewährt sie, wem er will. Und so zieht sich die Gnade durch die Heilige Schrift wie auch durch die Dogmatik als roter Faden als eine Gabe Gottes, die bedingungslos ist und nicht in der Verfügbarkeiten es Menschen liegt.


Die Gnade steht bei Paulus im Gegensatz zur Leistung. Die Gnade ist ein reines Geschenk.


In der Alten Kirche ist bemerkenswert die Gnadenlehre von Augustinus,  doktor gratiae, des Lehrers der Gnade. Er unterscheidet sechs Zeitalter und das letzte Zeitalter ist das der Ankunft Christi. In diesem wird die Gnade des Geistes allen Völkern offenbar, doch Augustinus vertritt im Gegensatz zu Pelagius die Lehre, dass der Mensch nicht aus eigener Kraft das Heil erwerben kann, sondern allein aus Gnaden. Sie ist nicht an Bedingungen geknüpft, sondern geschieht als reines Geschenk.


Der Pelagianismus hingegen vertritt die Lehre, dass das Heil eine Gemeinschaftsleistung zwischen dem freien Willen des Menschen und der göttlichen Gnade sei.


Die Reformation erkennt der Rechtfertigungslehre eine zentrale Bedeutung zu: Die Menschen können vor Gott nicht gerechtfertigt werden durch eigene Kräfte und Verdienste oder Werke, sondern um Christi willen durch den Glauben. Die Rechtfertigung hat also einen dreifachen Grund: Allein auf der Gnade, allein auf Christus, allein auf dem Glauben. (Confessio Augustana IV)

Doch der freie Wille des natürlichen Menschen erreicht weder Gott und seine Gnade.


In der Diskussion der Neuzeit vertritt Karl Barth die These, dass das Wort Gottes immer Gnade sei, dass Gott mit uns redet das ist schon an sich Gnade. Ganz gleich ob er durch das Gesetz oder durch das  Evangelium redet.

Die Theologen Bonhoeffer und Tillich vertreten, dass Gottes Gnade den Menschen nicht entmündigt, sondern mündig macht - nicht über den Menschen als Menschen hinweg -  sondern auf ihn eingeht ; so ist Gnade nicht billige Gnade, keine Schleuderware, so Bonhoeffer. Und natürlich ist ein göttliches Geschenk unabhängig von menschlichem Verdienst aber doch abhängig von der menschlichen Bereitschaft anzunehmen.


Zusammenfassend kann man sagen, obschon Gott alleine ist, der uns begnadet, schenkt er uns seine Gnade nicht ungefragt, sondern nur wenn wir nach ihr fragen. Denn Gott geht das Risiko ein, von uns abgewiesen zu werden. Daher, ich gewähre Gnade, wem ich will.


Wir müssen immer wieder lernen, das Angebot des Gnadengeschenkes aufzugreifen und es dankbar anzunehmen, indem wir

unsere Hoffnung ganz auf die Gnade, die uns angeboten wird, setzen.


Pastor Ermano Meichsner