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ZumTode von Klaus Duntze

 

ein Nachruf von Christian Müller

 

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KLAUS DUNTZE, Pfarrer an St. Thomas von 1990-1994, verstorben.

 

„Kannst Du nicht einen Nachruf auf Klaus Duntze schreiben“, so erreichte mich die Bitte für die folgenden Gedanken. Im Tagesspiegel hatte ich, aus Berlin für einige Wochen weg, von seinem Tod erfahren. 81 Jahre war er alt geworden. Ich erinnere mich noch, als ihm Ende der 70ger Jahre der damalige Superintendent eine Urkunde zu seinem 25-jährigen Dienstjubiläum beim Pfarrkonvent in der Jesus-Kirche überreichte. „Was, so alt ist Klaus Duntze schon? So lange schon Pfarrer!“, das waren meine damaligen Gedanken. Inzwischen habe ich selbst längst diese Zahl überschritten und bin mit Klaus Duntze alt geworden.

Ein Nachruf ist ja manchmal in der Gefahr eine Heldenlegende zu stricken oder eine Abrechnung vorzulegen. Ich möchte hier, in Erinnerung an Klaus Duntze, nur einige wenige Gedanken vorlegen. Auch sein Leben ist wie ein Mosaik, das viele - vor allem seine Familie - gestalten müssten .Ein kleines Steinchen will ich dazu legen.

Kennengelernt habe ich Klaus Duntze 1972- also vor inzwischen 44Jahren. Wir, eine Gruppe von vier Vikaren gingen damals im „Gruppenvikariat“ nach Kreuzberg, nach SO 36, in die Emmaus-,in die Ölberg-, in die Tabor- und eben auch in die Martha-Gemeinde in der Glogauer Straße. Hier war Klaus Duntze seit 1966 (vielleicht auch seit 1964) Gemeindepfarrer. Wir, die vier Vikare Michael Popke, Gottfried Hoffmann, Albrecht Weller und ich wollten uns nicht von den Gemeinden „einfangen“, „schlucken“ lassen. Gemeinsam wollten wir unsere Ausbildung fortsetzen, wollten unser Augenmerk vor allem auf das Gemeinwesen richten, in dem und mit dem die Gemeinden verbunden waren. Ob es Klaus Duntze war von dem wir zuerst hörten, dass er dafür aufgeschlossen war -ich weiß es nicht mehr. Jedenfalls suchten wir uns die Mentoren, die Pfarrer vor Ort. Neben Klaus Duntze noch Hajo Nocke, Margret Brandt und Dieter Tag. Jede Woche trafen wir uns einmal gemeinsam und besprachen Fragen, Projekte, Themen.

Schon bald brachte Klaus Duntze seine kirchen- und gemeindereformatorische Sicht in die Gesprächsrunde ein. Schon in den sechziger Jahren hatte er das erste Kirchenumbauprojekt in der Martha-Gemeinde durchgeführt. Die Kirche wurde umgebaut. Eine Decke eingezogen und, wie die älteren Gemeindemitglieder klagten, „unsere schöne alte Martha-Kirche kaputt gemacht“. Die jüngeren und die heutige Gemeinde sind heute froh, dass im Erdgeschoss jetzt Gemeinderäume für Kinder, Jugendliche und Erwachsene entstanden, die intensiv genutzt werden.

Die Frage nach der Verantwortung einer christlichen Gemeinde im Gemeinwesen einer Stadt war für Klaus Duntze und seine KollegInnen drängend. In seinem ersten Buch „Der Geist der Städte baut“ versuchte er eine Antwort.

Diese sollte auch praktisch werden in einer Zeit der Kahlschlagsanierung, der Autobahnplanung über die Wiener Straße, Oranienstraße zum Moritzplatz; am Mariannenplatz sollte das Bethanien abgerissen werden und Hochhäuser wie jenseits der Mauer an der Annenstraße entstehen. Der Baufilz zwischen Senat und Baumafia hatte Hochkonjunktur und zwischen allen versuchte Klaus Duntze zugunsten der Bewohner zu vermitteln. Dies brachte ihm nicht nur Freunde.

Doch er entwickelte nicht nur schöne Ideen. Für manche Initiativen gab er nicht nur den Anstoß, sondern begleitete sie tatkräftig jahrelang. „Strategien für Kreuzberg“, „Verein SO 36“ waren eng mit seinem Namen verknüpft.

1974 schied er aus dem aktiven Pfarrdienst in der Martha-Gemeinde aus und wurde Studienleiter in der Evangelischen Akademie und dem „Haus der Kirche“ mit seinem Schwerpunkt, der Stadtsanierung.

 

Intensiv begegneten wir uns wieder Ende der achtziger Jahre, als die Sanierung und ein eventueller Umbau der St. Thomas-Kirche anstanden. Das Wissen von Klaus Duntze über die Geschichte der Kreuzberger Kirchengemeinden, über die Entwicklung der Luisenstadt, seine Kontakte zu den unterschiedlichsten Fachleuten war immens. Deshalb waren wir in St. Thomas hoch erfreut, als wir das „Angebot“ bekamen, dass Klaus Duntze nach seinem Ausscheiden aus der Ev. Akademie die Arbeit in der Thomas-Gemeinde, und hier wiederum besonders die Sanierung der Kirche und die Entwicklung eines Nutzungskonzeptes für die Kirche unterstützen sollte.

Mit großem Eifer stürzte er sich in die Arbeit. Inzwischen war die Mauer gefallen und Vieles wurde möglich oder war nicht mehr möglich. Das Konzept schien umsetzbar: Die Hochschule der Künste wollte die Thomas-Kirche als Orgel-Schwerpunkt nutzen, die Gemeinde würde in der umgebauten Kirche weiterhin ihre Gottesdienste feiern. Einige hunderttausend DM verausgabten die Senatsstellen für die Planung, die HOOK-Orgel wurde aus den USA gekauft und sollte in der Thomas-Kirche eingebaut werden (inzwischen erklingt sie in der Kirche zum Heiligen Kreuz). Und dann kam kurz vor Weihnachten 1994 der Brief des Regierenden Bürgermeisters Diepgen, dass an eine Erweiterung der HDK nicht mehr zu denken sei. Viele Pläne, viele Arbeit, viele Hoffnungen umsonst.

Trotzdem feierten wir 1994 in der noch nicht fertigen Thomas-Kirche das 125-jährige Jubiläum dieser Kirche. Klaus Duntze war entscheidend am Erscheinen einer umfangreichen Festschrift dazu beteiligt. Aber sein großes Engagement hatte auch an seinen Kräften gezehrt. Nach heftigen Herzproblemen ging er in den vorzeitigen Ruhestand.

Doch nach einer längeren Krankheits- und Erholungsphase kam er frisch und voller Ideen zurück. Die Luisenstadt hatte es ihm angetan. Mit viel Kraft widmete er sich der Wiederherstellung des Luisenstädtischen Kanals als Gartenbau-Denkmal, das dann von West und Ost genutzt werden konnte. Mit großer Liebe war er weiterhin der St. Thomas-Gemeinde und ihrer Kirche verbunden. Mit vielen anderen kämpfte er darum, dass die Thomas-Gemeinde in ihren Vor-der-Mauer-Grenzen wieder entstehen sollte – und scheiterte an der Kurzsichtigkeit und der Egomanie der Verantwortlichen der Marien-Gemeinde.

Klaus Duntze setzte auf den Geist, der Gemeinde von unten bauen will und keine Event-Häuser braucht. So widmete er sich in vielen Archiven der Geschichte der Luisenstadt und legte vor einigen Jahren sein letztes umfangreiches Werk zur Luisenstadt vor. Geschichte als Nachdenken über die Gegenwart und Orientierung für die Zukunft.

 

Klaus Duntze lebte in den letzten zwei Jahren zunehmend in der Vergangenheit. Die Demenz und der körperliche Verfall nahmen zu, auch „der Honig im Kopf“. Und doch gab es immer wieder Zeichen des Erkennens und Erinnerns.

Ich bin dankbar, dass ich Klaus nochmals kurz vor seinem Tod mit Volker Hobrack besuchen durfte und seine Augen davon zeugten, dass wir uns miteinander an alte Begebenheiten erinnerten.

So glänzten seine Augen als ich das alte Kinderlied von Winfried Radecke anstimmte. Denn dies war sein Glaubens- und Lebensmotto: “Ein jeder kann kommen, für jeden machen wir die Türen auf. Ein jeder kann kommen, wir lassen jeden rauf.....“

Nachdem von unseren Mentoren 1972 vor zwei Jahren Hajo Nocke verstorben ist, letztes Jahr Dieter Tag und vor ein paar Wochen Margret Brand, ist nun mit Klaus Duntze der letzte heimgegangen. Er, der sich so sehr um das Wohnen gekümmert und gesorgt hat, wusste um die Wahrheit und Weisheit und Güte des alten Verses aus dem Hebräer-Brief:“ Wir haben hier keine bleibende Statt, aber die zukünftige suchen wir.“ Gott sei mit denen, die um ihn trauern.

Die St. Thomas-Gemeinde dankt ihm.

 

Christian Müller, Pfarrer i.R.

 

 

 

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