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1. Teil Die Interimskirche

Da der Gemeinde bei ihrer Begründung ein eigenes Gotteshaus fehlte,  wurde ihr in der Andreas- und Luisenstadtkirche Gastrecht gewährt. Die Gottesdienste fanden in der Andreaskirche morgens um 8 Uhr und abends um 6 Uhr statt. Der Weg zur Andreaskirche führte über die hölzerne Schillingbrücke, für deren Überschreitung von jedem Fußgänger ein Zoll von 6 Pfennigen erhoben wurde. Damit durch diese Aufgabe der Kirchenbesuch nicht beeinträchtigt würde, bezahlte die Kirchenkasse dem Zollpächter eine Entschädi-gungssumme. Mit dem 1. August 1864 hörte der Zoll auf. Da aber das kirchliche Leben unter dem Mangel einer eigenen gottesdienstlichen Stätte empfindlichen Schaden litt, wurde im September 1864 der Konfir-mandensaal im Erdgeschoß des Pfarrhauses zur Kapelle eingerichtet und dort die Taufen und Trauungen vollzogen. Schon vorher, im Februar 1864, war Prediger Hübner mit einer Reihe von Männern zusammen-getreten, um den Bau einer Interimskirche ins Werk zu setzen. Durch freiwillige Sammlungen wurden für diesen Zweck aus der neuen Gemeinde 1270 Taler, 5 Silbergroschen, 3 Pfennige, aus der Muttergemeinde 140 Taler, 5 Silbergroschen, 6 Pfennige aufgebracht, die später für die innere Ausstattung verwendet wurden. 3000 Taler wurden aus Mitteln der Kirchenkasse, die noch fehlenden 2000 Taler aus stadtischen Mitteln bewilligt. Die Ausführung des auf 5000 Taler veranschlagten Baues wurde dem Ratszimmermeister Schulz übertragen. Mit dem Bau wurde im September begonnen, am 4. Advent 1864 fand die feierliche Einweihung der Hilfskirche statt. Sie war aus Fachwerk erbaut, mit Steinpappe gedeckt, hatte auf dem Giebel der Vorderfront einen Glockenturm, vor dem Haupteingange eine Vorhalle und an der Hinterfront einen Anbau von zwei Sakristeien. Das Schiff der Kirche war 70 Fuß lang, 35 Fuß breit, an den Seiten-wänden 20, in der Mitte 24 Fuß hoch. An drei Seiten war die Kirche von Emporen umgeben, an der vierten befand sich die Kanzel und der Altar. Die Kirche enthielt etwa 450 Sitzplätze, bei Aufstellung von Stühlen und Hilfsbänken 500, außerdem 200 Stehplätze. Im Jahre 1867 wurde die Zahl der Kirchplätze durch Terrassierung des Orgelchores um 90 vermehrt, um dem sich immer fühlbarer machenden Raummangel abzuhelfen. Das goldene Kreuz auf dem Glockenturm und die Glocke waren Geschenke des Königs Wilhelm I. Für die innere Ausstattung wurden viele Geschenke aus der Mitte der Gemeinde dargebracht. Erwähnt sei das von Herrn A. Heckmann gestiftete Ölbild „Christus und Thomas“ von Kaselowski, das jetzt noch ein schöner Schmuck unserer Kirche ist.

 

Am 4. Advent 1869 nahm die Gemeinde Abschied von der Interimskirche, um in die große Kirche umzusiedeln. Doch wurde die Kapelle auch später noch für Kindergottesdienste und Bibelstunden benutzt.

 

Vom 24. August 1870 bis zum 1. Juni 1871 diente die Interimskirche als St. Thomas-Lazarett, das in Ausstattung und Wirksamkeit den besten derartigen Einrichtungen jener Zeit an die Seite ge-stellt werden konnte. 137 verwundete und erkrankte Krieger haben darin Aufnahme gefunden, von denen nur einer gestorben ist. Aus der Mitte der Gemeinde sind für dieses Liebeswerk bis zu 6000 Talern, Gaben und Gegenstände aller Art und Lebensmittel aufgebracht und persönliche Dienste geleistet worden.

 

Im Juni 1872 wurde die St. Thomas-Kapelle zum Zwecke einer besseren kirchlichen Versorgung der beständig wachsenden Gemeinde abgebrochen und auf dem Lausitzer Platz wieder neu auf-gebaut. Am 5. Januar 1873 fand die Wiedereröffnung des Gotteshauses statt.