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2. Teil Die Interimskirche

Haus

 

Diese Bauwerk hat selbst eine bemerkenswerte Geschichte und soll deshalb auch an dieser Stelle eine kurze Würdigung und Charakterisierung erfahren. Ihre Besonderheit besteht darin, die erste ihrer Art in Berlin gewesen u sein, und Nachfolgerinnen hat sie eine ganze Reihe besessen. Sie stand auf dem Grundstück des heutigen Gemeindehauses, etwa im Bereich der jetzigen Zufahrt. Den Entwurf zu dem schlichten Fachwerkbau mit Abmessungen von beträchtlichen 23x12 Metern hatte der Ratszimmermeister R.Schultz angefertigt. Über dem First von 8 Meter Höhe war über der Hauptfassade ein Glockenhäuschen aufgesetzt. Erstaunlicherweise faßte dieser kapellenähnliche Bau 700 Gläubige, für 500 Sitzplätze im Schiff selbst sowie auf den dreiseitig den Kirchenraum umlaufenden Emporen eingerichtet worden waren. "So unscheinbar die äußere Ansicht der Kirche ist, so überraschend und zugleich wohlthuend wird Jeder berührt, der das Innere betritt; die symmetrische und zweckmäßiges Anordnung, so wie die reichliche und doch einfache Ausstattung, die Malerei an Decke, Wänden, Chören, Kanzlei und Säulen bringen den Eindruck eines lieblichen Gotteshauses hervor". 


Die innere Ausstattung hatte die Gemeinde im wesentlichen selbst gespendet - hervorzuheben die Dinse-Orgel mit acht Registern, liturgische Geräte von beträchtlichem Wert. Das Altargemälde mit der Darstellung der Offenbarung des auferstandenen Christus vom Akademie-Professor Kaselowski stiftete Fabrikbesitzer und langjähriger Kirchenvorsteher August Heckmann. Das vergoldete Kreuz auf dem Dachreiter sowie die Glocke selbst hatte der König gestiftet. "Unser Kirchlein ist immer weniger im Stande, die Zahl der Kirchgänger zu fassen, wir sehen mit Sehnsucht der Vollendung der neuen Kirche entgegen..." heißt es im 3. kirchlichen Bericht für das Jahr 1867.

 

Auch nach deren Einweihung blieb der Gemeinde die Interimskirche noch für einige Zeit erhalten. "Gegenwärtig ist sie noch eine willkommende und unentbehrliche Aushülfe für die Haltung der Kindergottesdienste und Bibelstunden, wofür die neue Kirche zu groß und zu kostspielig in Heizung und Erleuchtung, ihre Sakristeien aber zu klein sind." 700 Kinder (!) nahmen den Berichten zufolge an diesen Gottesdiensten teil.

 

Im darauffolgenden Jahr 1870, dem Beginn der die Reichseinigungskriege abschließendem Feldzüge gegen Frankreich, wurde das Kirchlein in besonderer Weise genutzt: Am 25.August nahm es die ersten 24 Betten mit verwundeten Soldaten aus der Parochie auf, unterhalten als "St.Thomas-Lazareth" von der Gemeinde selbst. "Es ist uns eine besondere Freude, die kleine Kirche, die uns so lange als unser Gotteshaus gedient hat und die uns lieb geworden ist, nun noch einem so gesegneten patriotischen Zwecke widmen zu können.", liest man im Bericht für das Jahr 1870.

 

Bis zur Schließung des Lazaretts am 1.Juni 1871 hatte man 137 Verwundete betreut.
1872 erfolgte eine provisorische Abtrennung der östlichen Bereiche der Parochie mit der Maßgabe, deren kirchliche Handlungen von nun ab in der Interimskirche vorzunehmen. Damit war der erste Schritt zur längst überfälligen Teilung des Sprengels vollzogen, der im Juni zum Abbruch der Interimskirche führte. Ihre Umsetzung auf den nahen Lausitzer Platz beendete mit der Wiedereinweihung am 5.Januar 1873 ihren gut 10jährigen Gebrauch durch die St.Thomas-Gemeinde.