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Pablo Ocqueteau - Ich bin ein Berliner

Ich bin ein Berliner

 

Ausstellung vom 2. August bis zum 23. September 2013 in der St.-Thomas-Kirche

 

 

 

Pablo Ocqueteau

 

1982 geboren in Coyhaique, Patagonien, Chile

 

Studium der Bildhauerei in Valparaiso, Fotografie in Santiago de Chile,
Produktdesign in Valparaiso, Buenos Aires und in Valencia

 

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Pablo Ocqueteaus Studienzeit führte ihn von Chile über Argentinien nach Spanien und wieder nach Buenos Aires, wo er anschließend Beleuchtungstechnik für den Film lernte. Vor sieben Jahren hatte er in Valencia Philine von Düszeln aus Deutschland kennen gelernt, die ebenfalls dort studierte. Mittlerweile haben sie eine dreijährige Tochter und leben seit 2009 in Berlin.

 

 

 

In den Arbeiten der Ausstellung „Ich bin ein Berliner“ finden all jene künstlerischen Mittel und Techniken ihren Ausdruck, die der Künstler erworben hat: Licht, Material, Fotografie und Objektkunst. Es sind die Ergebnisse langer Arbeitsprozesse. Plakate aus dem Berliner Raum, teilweise viele Schichten übereinander geklebt, werden durch ein kompliziertes fotochemisches Verfahren Träger für Pablos Fotografien.

 

 

 

Pablo fotografiert mit einer Leica 3 C von 1942, die er von Philines Großvater geschenkt bekommen hat. Sie hat keinen Belichtungsmesser. Alles ist Handarbeit, und präzises Arbeiten ist wichtig, vor allem im Umgang mit den Chemikalien und beim Ermitteln der perfekten Belichtungszeit. Trotzdem bleibt immer ein „Restrisiko“: Unkontrollierbares ist ein unbekannter Faktor. Pablo nennt es die „Zwiesprache des Materials mit der Technik“ und hält es für ein „Handwerken mit geschlossenen Augen“, weil erst nach Stunden des Belichtungs- und Entwicklungsprozesses sichtbar wird, ob die Arbeit geglückt ist. Er stellt seine Arbeit bewusst in den Gegensatz zu der neuen digitalen Fotografie.

 

 

 

Neben der Technik ist die Materialwahl sehr wichtig. Für Pablo bedeutet es, wie ein Kriminalist der Identität eines Ortes auf die Spur zu kommen. Was ist das Besondere des Ortes? Es sind natürlich die Menschen, aber auch Eindrücke, Bilder und eben Materialien, die den Charakter einer Stadt widerspiegeln. In Valparaiso zum Beispiel hat Pablo aus Wellblech Bilder gemacht. Viele Bewohner dort sind arm, oft werden Ölfässer recycelt und für Zäune und Dächer genutzt. Die salzige Meeresluft lässt das Metall in den verschiedensten Rottönen rosten. Das ist die Farbe der Stadt.

 

 

 

Für die in Berlin so typische Kultur des wilden Plakateklebens hat Pablo einen poetischen Ausdruck gefunden: „ naturaleza urbana“. Am Anfang war es für ihn wie ein Stück Holz im Wald, das er schön findet, das aber auf der Straße wächst. Es lebt und erzählt etwas. Wenn man die Plakatschichten abträgt, kann man wie ein Archäologe in der kulturellen Geschichte von Berlin lesen. Es sind Zeugnisse von Werbung und zahlreichen Veranstaltungen. In keiner anderen Stadt weltweit findet man dies in solchem Ausmaß, es ist für ihn somit auch Zeugnis von großer Akzeptanz, von der Toleranz der Berliner.

 

 

 

Hier glaubt der Künstler das Besondere von Berlin entdeckt zu haben: Berliner seien sehr tolerant. Leute, die in einer Sparkasse schlafen - das habe er nur in Berlin gesehen. Das Besondere ist: Niemand sagt etwas. Berlin sei multikulturell, wie viele Großstädte. Pablo meint aber, nur hier könnten sich Fremde wie er sofort zuhause fühlen, eigene Sachen tun und Projekte entwickeln.

 

 

 

Pablo Ocqueteaus Bilder erhalten ihre eigentliche Stärke von seine Protagonisten. Straßenmusikanten, die immer auf den selben Plätzen anzutreffen sind und immer das Gleiche spielen, Verkäufer des Straßenmagazins „motz“. Wer kennt sie nicht? Oder der Rollstuhlfahrer, der sein Gefährt zur mobilen Flaschensammelstation erklärt hat, ein Transvestit, der lustvoll sein „Anderssein“ auslebt. Es sind Menschen dieser Stadt. Man weiß nicht, wo sie wohnen, oft sind sie nicht einmal der deutschen Sprache mächtig. Dennoch gehören sie dazu. Auch sie definieren den Charakter der Stadt. Deshalb ist der Ausstellungstitel bezeichnend: „Ich bin eine Berliner“.

 

 

 

2013©Brigitte Denck

 

 

 

Ausstellungseröffnung:

 

Donnerstag, 1. August 2013, 19:00 Uhr

 

 

 

täglich geöffnet von 11:00 bis 14:00 Uhr

 

 

 

Künstlergespräche:
Sonntag, 11. August, und Sonntag, 22. September 2013, jeweils ab 11:15 Uhr

 

 

 

Pablo Ocqueteau steht Ihnen an diesen beiden Sonntagen ca. eine Stunde lang für Gespräche und Fragen zur Verfügung.

 

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